Die neue Serie Ratched auf Netflix ist ein voller Spannung, Drama und Romantik

Unbarmherzig, skrupellos, aber nett verpackt: „Ratched“

Mit einer der neusten Serien bringt der Streaming Dienst Netflix die Vorgeschichte zu einem der bekanntesten Psychothriller der Filmgeschichte – „Einer flog über das Kuckucksnest“ – auf unsere Bildschirme.

Verantwortlich für die Serie zeichnet der Erfinder der Erfolgsserie „American Horror Story“ und bringt mit Sarah Paulson in der Hauptrolle und seinem bekannten Mix aus beunruhigend verstörenden Bildern und tiefgründiger Story eine Seriengeschichte mit Hit Potential auf den Schirm. Im bekannten Filmklassiker, dessen Vorgeschichte in „Ratched“ erzählt werden soll, lässt sich Jack Nickolson in eine Psychiatrie einweisen, um so eine Haftstrafe zu umgehen. Dort trifft er auf die unbarmherzige Oberschwester Mildred Ratched, die mit menschenunwürdigsten Behandlungen zu Werke geht. In „Ratched“ wird nun die Geschichte dieser Oberschwester erzählt, die vor Augen führt, wie aus einer jungen und talentierten Berufsstarterin ein völlig skrupelloser Mensch ohne jegliche Nachsicht oder Mitgefühl wird.

Adrettes Aussehen, grausame Welt

Die Geschichte von „Ratched“ startet in den 1940er Jahren und beginnt damit, dass sich die junge und auf unheilvolle Weise mysteriös wirkende Mildred Ratched auf raffinierte Weise eine Anstellung in einer Nervenheilanstalt ergaunert. Schnell gerät sie dort mit der Oberschwester Bucket aneinander, gewinnt aber dafür das Wohlwollen des Anstaltsleiters Dr. Hanover. Außerdem hat sie ein Interesse an dem in der Psychiatrie einsitzenden mehrfachen Mörder Tolleson, der wie in einem Wahn mehrere Priester brutal umgebracht hat.

Über den Ursprung ihres Interesses an diesem Fall wird der Zuschauer im Dunkeln gehalten. Zwar wird im weiteren Verlauf der Geschichte auch eine weichere, menschlichere Seite von Mildred Ratched sichtbar, als sie eine Beziehung zur Gouverneurs-Angestellten Briggs eingeht. Insgesamt aber wirkt Ratched durch ihr Verhalten in der Psychiatrie, durch ihre unterkühlte Ausstrahlung und ihr schon fast pingelig erscheinendes Äußeres auf schaurige Weise geheimnisvoll. Was führt sie wohl im Schilde?

Eine Hommage an die Geschichte des Psychothrillers

In letzter Zeit ist die Verfilmung von Vorerzählungen zu bekannten Filmklassikern ein gängiges Erfolgsrezept für viele Serienmacher. Das zeigt etwa der Erfolg der Serie „Bates Motel“. Statt also einfach nur die Grausamkeiten der Bösewichte auf die Leinwand zu bringen, soll der Zuschauer immer tiefer in die Hintergründe, in das Innerste und in die Psyche der Hauptdarsteller eindringen. So auch in „Ratched“.

Außerdem wird in der Serie auf viele bekannte Begebenheiten von diversen Filmklassikern angespielt. Kameraführung und Geschwindigkeit erinnert manches Mal an „Shining“ oder „Kap der Angst“. Das Szenenbild und die Stimmung, wenn Tolleson in seiner Zelle gezeigt wird, erinnert an „Das Schweigen der Lämmer“. Die Szenen sind dabei detailverliebt, bildgewaltig und mit ausgezeichnet ausgewählten Musikpassagen unterlegt. Insgesamt wirkt die Serie wie aus einer anderen Zeit und zieht den Zuschauer regelrecht in die kaputte Welt der Mildred Ratched, die voll ist von neurotischen Gestalten, rücksichtslosen Egoisten und grausamen Taten.

Wen der neue Netflix-Klassiker nicht gefällt, der findet vielleicht mit 4 Blocks oder Babylon Berlin seine neue Lieblingsserie.